Rechnungsabschluss 2018: Trotz Zusagen noch höhere Kürzungen als erwartet

Kulturszene enttäuscht vom Vorgehen der Landespolitik

Wenn, dann sterben wir einen lauten Tod“

Die Analyse des Rechnungsabschluss 2018 zeigt erstmals auf: Oberösterreichs zeitgenössische Kunst- und Kulturszene wurde im Budgetvollzug noch stärker gekürzt als ursprünglich geplant. Nachdem 17.240 BürgerInnen die Petition „Rettet das Kulturland OÖ“ unterzeichnet hatten, legte die KUPF OÖ konkrete Maßnahmen zur Sicherung des Kulturlands OÖ vor. Doch die Details des Rechnungsabschluss zeigen, dass selbst die wenigen vom Land OÖ gemachten Zusagen nicht eingehalten wurden. Oberösterreichs Kulturszene zeigt sich enttäuscht vom Vorgehen der Politik.

Wir erinnern uns: Im Herbst 2017 wurde erstmals publik, dass das Land OÖ große Kürzungen bei den Kulturförderungen plant. Die kurzfristig von der KUPF OÖ und weiteren Kulturverbänden angesetzte Petition „Rettet das Kulturland OÖ“ wurde innerhalb weniger Wochen von mehr als 17.000 Personen unterzeichnet. Trotz der breiten Kritik von Kulturschaffenden, KünstlerInnen, des Landeskulturbeirats und einer breiten Bevölkerung wurden die Kürzungen im Dezember im Landtag unverändert in vollem Umfang beschlossen.

In Folge wurden zwei runde Tische mit dem Landeshauptmann und dem Landeskulturdirektor organisiert. Dort haben die KUPF OÖ und Interessenvertretungen IG Bildende Kunst, IG Freie Theater, die Grazer Autorinnen Autorenversammlung und die HochschülerInnenschaft Kompromissvorschläge und einen Pakt zur Sicherung des Kulturlands OÖ vorgelegt. Dieser beinhaltete konkrete Maßnahmen zur Sicherung der kulturellen Infrastruktur, zum Erhalt und Ausbau der kulturellen und künstlerischen Qualität und zum Erhalt der kulturellen Vielfalt und Erweiterung des kulturellen Angebots. Auf das Budget bezogen wurde eine schrittweise Erhöhung des Förderbudgets um 5,2 Millionen € gefordert.

Leider wurden der Pakt und der Großteil der Vorschläge beim runden Tisch abgelehnt. Als eines der wenigen Zugeständnisse wurde aber vereinbart, dass die 2017 in den einzelnen Förderbereichen gebildeten Rücklagen 2018 verwendet werden, um die Kürzungen zumindest abzufedern. So wäre es de facto möglich gewesen, auf einen Großteil der Kürzungen bei den zeitgenössischen Kunst- und Kulturinitiativen und den KünstlerInnen zu verzichten.

Diese Zusage wurde bedauerlicherweise nicht eingehalten, wie folgende Auswertung des Rechnungsabschlusses 2018 zeigt:

Differenz verfügbare Budgetmittel zu Rechnungsabschluss 2018
Rohdaten Zahlen Voranschlag und Rechnungsabschluss 2018

In der Spalte „Rechnungsabschluss 2018“ ist ersichtlich, dass erstens entgegen dem Voranschlag weitere 200.000 € an Förderungen nicht ausbezahlt, also de facto weiter gekürzt, wurden. Die Differenzen in den einzelnen Bereichen ergeben sich laut dem Land OÖ durch die Umbuchung einzelner Förderwerber in andere Kategorien. In den Fußnoten des Rechnungsberichts wird das große Minus beim Posten „Regionale Kulturinitiativen“ weiters damit begründet, dass nicht mehr alle Förderanträge im Jahr 2018 vom Land bearbeitet wurden. Im Übrigen ein weiterer Beleg für die Kritik der KUPF OÖ an der absurd langen Bearbeitungsdauer der Förderanträge. Allerdings wurden in diesem Bereich auch keine neuen Rücklagen für ausstehende Förderanträge gebildet – das bedeutet, dass diese im Folgejahr aus dem regulären Budget bezahlt werden müssen, was die verfügbaren Mittel in jenem natürlich weiter senken wird.

Die gekürzten Übertragsmittel

In Bezug auf die sogenannten „Übertragsmittel“ aus 2017 zeigt sich zweitens, dass diese zwar im Förderbudget aktiviert, dann aber eben nicht für die ursprünglichen Förderbereiche verwendet wurden. Diese 1,02 Mio. € wurden im Budgetjargon für „finanzielle Ausgleiche“ verwendet, sprich, in andere Budgetbereiche verschoben um dort andere Löcher zu stopfen. „Es ist unverständlich, warum das Land OÖ trotz vorhandener finanzieller Mittel seine Kulturvereine kürzt und ihnen damit schadet. Dies kann nur noch als Willkür oder im schlimmsten Fall als gezielte Schwächung des zivilgesellschaftlichen Engagements der Kulturszene gesehen werden“, so KUPF Geschäftsführer Thomas Diesenreiter und weiter :„Und auch der Landtag muss sich die Frage stellen, warum von ihm beschlossene Budgets in so drastischer Weise nicht eingehalten werden. Der Landtag hat 2017 und 2018 klar höhere Ausgaben für die Kulturförderung vorgesehen, die aber von der Landesregierung trotz des offensichtlichen Bedarfs der Kulturszene nicht zugewiesen wurden.“

In welchen Bereichen das ursprüngliche Budget ebenfalls, aber in die andere Richtung, nicht eingehalten wurde, zeigt die folgende Grafik:

Mehrausgaben im Rechnungsabschluss gegenüber dem Voranschlag 2018

Während also im Budgetvollzug bei den zeitgenössischen Kulturförderungen noch stärker als geplant gekürzt und Rücklagen unterschlagen wurden, haben die großen Häuser abermals mehr als geplant ausgegeben. Die Zahlen des Budgets gelten offensichtlich für das Land OÖ nur dort, wo es selbst nicht betroffen ist. „Wie soll man einem Kulturverein erklären, dass eine Kürzung seines Vereins zwingend notwendig war, während das Land OÖ bei seinen eigenen Institutionen Millionen an ungeplanten Mehrausgaben ausweist?“, so KUPF Geschäftsführer Thomas Diesenreiter. „Hier zeigt sich abermals die Willkür des Landes im Kulturbereich: Die einen werden ohne Not gekürzt und gekürzt, während für die eigenen Betriebe die Vorgaben nach Belieben gebrochen werden.“

Die stetig sinkenden Ermessensausgaben

Die KUPF OÖ begrüßt prinzipiell die Ausstattung der öffentlichen Kultureinrichtungen mit den notwendigen Budgets, fordert aber gleiches Recht für alle: Während es bei den öffentlichen Einrichtungen normal ist, dass die inflationsbedingt steigenden Kosten für Infrastruktur, Personal, usw. abgegolten werden, sind die Zuwendungen an die unabhängigen Kultureinrichtungen in den letzten beiden Jahrzehnten sogar gekürzt worden. Das führt dazu, dass mittlerweile ganze 93,5% des Kulturbudgets in die eigenen Häusern gehen, und für die gesamte restliche Kulturszene, von der Blasmusik, zur Volkskultur, zur zeitgenössischen Kunst und Kultur bis hin zu den Gemeinden und Kultus nur noch 6,5% Ermessensausgaben übrig bleiben.

Die Förderung der gesamten zeitgenössischen Kunst- und Kulturszene liegt nur noch bei 2,5% des Kulturbudgets, der niedrigste Wert seit dem Beginn der KUPF Budgetanalysen. Zum Vergleich: Im Jahr 2001 gingen noch ganze 6,4% des Kulturbudgets in die Förderung der zeitgenössischen Kunst und Kultur. Verena Humer, stellvertretende Geschäftsführerin der KUPF, kritisiert, „dass sich so das Land OÖ auch selbst jede Möglichkeit nimmt, Neues und Innovatives zu fördern. Kulturförderungen sind keine Spende. Das Budget der Kunst- und Kulturförderung ist dazu da um unsere Gesellschaft lebendig zu halten. Aus Sicht der KUPF müssen bestehende Qualitäten wie Vielfalt, Eigenständigkeit und offene Begegnungsräume sowie sichere Strukturen für die freie Szene weiter ausgebaut werden.“

Auswirkungen der Kürzungen im Kulturbereich

Viele der oberösterreichischen Kulturinitiativen mussten letztes Jahr Kürzungen zwischen 10% und 20% ihrer Jahressubventionen hinnehmen. Die Folge war eine Reduktion des kulturellen Angebots, stärkere Zugangsbarrieren in Form von höheren Eintrittspreisen sowie eine weitere Verschärfung der prekären Produktionsbedingungen von Kunst und Kultur. „Die KAPU wurde 2018 gleich um 20% gekürzt. Die Folge ist, dass wir einerseits Eintritte erhöhen mussten. Und andererseits wurde es deutlich schwieriger für uns, experimentelle oder unbekannte Bands auf die Bühne zu stellen, denn das finanzielle Risiko ist ja gestiegen.“, so Sarah Praschak, Vorstandsmitglied des Linzer Kulturvereins KAPU. Günther Ziehlinger, stellvertretender KAPU-Geschäftsführer pflichtet ihr bei: „Die Folgen diesen Kürzungen betreffen also besonders junge KünstlerInnen. Wie soll hier noch neues entstehen, wenn die Förderung junger MusikerInnen kaum noch möglich ist? Wenn man als Kulturverein eigentlich nur noch etablierte Bands bringen kann, um zu überleben?“

Auch das Kulturzentrum RÖDA aus Steyr wurde 2018 empfindlich gekürzt. Betrug der Programmzuschuss 2017 ohnedies bereits geringe 43.500 €, so wurde dieser Betrag im vergangenen Jahr auf 37.000 € zusammengestrichen, ein Minus von 15%. Dazu Geschäftsführer Thomas Kern: „Kulturinitiativen wie wir eine sind die Mittel zu kürzen, bedeutet auch einer Nachfolgegeneration an noch nicht etablierten Kunst- und Kulturschaffenden einen Raum zur Entfaltung zu nehmen. Das ist traurig und kurzsichtig. Durch Privatkredite den Kulturbetrieb aufrecht erhalten zu können ist leider auch bei uns mittlerweile gängige Praxis, sollte aber nicht notwendig sein. Es muss dieser Entwicklung in der Politik entgegengewirkt werden.“

Diesenreiter fasst zusammen: „Das Land OÖ hat mit diesen Kürzungen nicht nur seine eigene Kulturszene massiv geschwächt, sondern in der Folge auch das kulturelle Angebot für die Bevölkerung reduziert. Damit wird der verfassungsmäßige Auftrag des Landes, seine Bevölkerung mit Kulturangeboten zu versorgen, sträflich vernachlässigt. Besonders die Diversität des kulturellen Angebots leidet.

Wichtig ist in diesem Kontext zu sehen, dass die Kürzung der Förderung in Kombination mit der Inflation seit Jahren zu einem drastischen Verfall des Werts der zeitgenössischen Kulturförderung führt. Der Wert der zeitgenössischen Kulturförderung liegt nur noch bei 50% des Jahres 2001, wie die KUPF bereits mehrfach belegt hat. In der gleichen Zeit sind die Ausgaben für die öffentlichen Kulturinstitutionen deutlich über der Inflationsrate gestiegen:

Prozentuale Entwicklung der Förderung der zeitgenössischen Kultur und der öffentlichen Einrichtungen

Um diese Lücke auszugleichen und zumindest die Inflation auszugleichen, braucht es 5,2 Mio. € an neuen Mitteln für die Kulturförderung wie die KUPF OÖ einfordert.

Wie geht es weiter?

Mit diesen Fakten konfrontiert, hat die Landeskulturdirektion der KUPF einen weiteren Gesprächstermin Ende September angeboten, den die KUPF natürlich gerne annimmt. Es ist aber nach der ersten Kommunikation davon auszugehen, dass sich beim Land OÖ noch kein Problembewusstsein für die dramatische Lage der oberösterreichischen Kulturvereine und KünstlerInnen gebildet hat.

Aus diesem Grund plant die KUPF neue Kampfmaßnahmen gegen diese Politik des Aushungerns des Kulturlandes OÖ. Details dazu werden im Herbst bekanntgegeben. „Oberösterreichs Kulturland ist bedroht wie nie. Aber eines garantieren wir: Wenn, dann sterben wir einen lauten Tod“, so KUPF Geschäftsführer Thomas Diesenreiter.

Rückfragehinweis: Thomas Diesenreiter, 0664 / 78 24 525

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Theatervertrag: KUPF OÖ fordert persönliche Garantie von LH Stelzer

Die Kulturplattform OÖ begrüßt die Zusage des Landes, die Finanzierungslücke der Theaterholding auszugleichen. Gleichzeitig fordert die KUPF OÖ eine persönliche Garantie des Landeshauptmanns, dass diese Zusage nicht zu Lasten der restlichen Kulturlandschaft gehen darf. Es braucht ein generelles Bekenntnis zur Kultur, unabhängig der Trägerschaft.

„Wir begrüßen ausdrücklich, dass die Zukunft der landeseigenen Theater gesichert ist. Klar ist aber, dass die dafür notwendigen Mitteln zusätzlich ins Kulturbudget fließen müssen. Die KUPF OÖ fordert von Landeshauptmann und Kulturreferenten Stelzer, dass er Oberösterreichs Kulturvereinen dieselbe persönliche Zusage und Sicherheit bietet, die er seinen eigenen Theatern gegeben hat. Die Rettung der einen darf nicht auf Kosten der anderen gehen. Es soll zu keiner Umverteilung vom Förderbereich zur Theaterholding im Budget 2020 kommen. Diese persönliche Garantie muss der Landeshauptmann den tausenden KulturarbeiterInnen so rasch wie möglich geben„, so KUPF Geschäftsführer Thomas Diesenreiter. Ohnedies fließen bereits 94% des gesamten Kulturbudgets in die öffentlichen Einrichtungen, ein trauriger Rekordwert. Das Land OÖ liegt bei den Ausgaben für Kultur im Schlussfeld in Österreich, wenn man die Ausgaben für musikalische Bildung ausklammert, wie folgende Grafik zeigt:

Durch den Streit um den Theatervertrag wurden die großen Probleme der unabhängigen Kultureinrichtungen aus dem Licht gedrängt. Sowohl die Stadt als auch das Land OÖ bluten seit Jahren ihre unabhängigen Kultureinrichtungen finanziell aus. Aus Sicht der KUPF tragen beide dafür Verantwortung, dass die kulturelle Vielfalt unseres Bundeslands abnimmt. Die KUPF OÖ erinnert beide Seiten daran, dass unser Kulturland nicht nur aus den öffentlichen Einrichtungen besteht. Zur Erinnerung: Der Wert der Kulturförderung für unabhängige KünstlerInnen und Kulturinitiativen ist beim Land OÖ in den letzten beiden Jahrzehnten um zwei Drittel gesunken.

Und Linz?

Auch bei der Stadt Linz stellt sich nun die Frage, was mit den eingesparten Mitteln passiert. „Wir fordern die Stadt Linz auf, dass die eingesparten Mittel im Kulturbereich verbleiben. Nach Jahren der Vernachlässigung hat man hier die Chance, die Finanzierung der freien Szene endlich auf eine vernünftige Basis zu stellen. Denn auch hier sind die Förderungen der Kulturszene de facto seit Jahrzehnten eingefroren oder gar rückläufig. Wir fordern daher 1 Million € mehr für die freie Szene in Linz“, so Diesenreiter abschließend.

Land OÖ: Brösel für die Zeitkultur, Millionen für die Großen

Nachschlag nach Belieben: Wer profitiert von den Artikel III Ziffer 5 Nachtragsmitteln?

Derzeit findet der sogenannte Budgetlandtag in OÖ statt, von heute bis Donnerstag. Vorrangig geht es um das Budget 2019, über dessen Auswirkungen wir schon geschrieben haben.

Zusätzlich wird auch über die Verwendung der sogenannten Artikel III Ziffer 5 Mittel für das aktuelle Jahr 2018 abgestimmt. Diese können vom Landeshauptmann als „Katastrophenmittel“ beliebig verwendet werden, er muss seine Entscheidungen nur am Ende des Jahres nachträglich vom Landtag bestätigen lassen. Für 2018 waren hier 12 Mio € geplant. Die KUPF hat beim Runden Tisch mit dem Landeshauptmann vorgeschlagen, dass diese Mittel verwendet werden, um die Kürzungen im zeitgenössischen Kulturbereich wieder auszugleichen. Eine Zusage konnten wir leider nicht erreichen.

Wir haben uns daher nun angesehen, wohin das Geld geflossen ist und was soll man sagen: LH Stelzer ist uns zumindest zu einem Teil gefolgt. Ganze 5,36 Mio € sind wieder in den Kulturbereich geflossen. Zur Erinnerung: Die Kürzungen, die wir letztes Jahr vehement kritisiert haben, hatten eine Höhe von 6,77 Mio €. Sprich: Ein guter Teil der Kürzungen wurde unterjährig wieder ausgeglichen. Dies zeigt allgemein, dass die Kürzungen im Kulturbereich nicht nur unnötig, sondern wohl auch unrealistisch waren, zumindest nicht ohne massive Folgen für die Kulturlandschaft. Spannend ist für uns aber natürlich besonders die Frage, wer im Kulturbereich davon wie stark profitiert hat.

Und hier zeigt sich ein altbekanntes Bild: Brösel für die Zeitkultur, Millionen für die Großen:

  • Sonstige Maßnahmen der Kulturpflege: +1,92 Mio €
  • Denkmalpflege: +1,16 Mio €
  • Landesmusikschulen: +1,12 Mio €
  • Förderung von Museen, Heimathäusern: +0,6 Mio €
  • TOG Landestheater: +0,52 Mio €
  • Regionale Kulturinitiativen: +35.000 €

Wieder einmal zeigt sich: Geld ist da, auch im Kulturbereich. Aber mit der Verteilung hinkt es.

Quelle: Subbeilage 1 zur Beilage 905 2018, XXVIII. Gesetzgebungsperiode

Aus für das Künstleratelier Villa Stonborough-Wittgenstein?

Das Land Oberösterreich betreibt in Gmunden eines von sechs Künstlerateliers. Das Angebot in Gmunden ist laut eigener Aussage besonders für SchriftstellerInnen geeignet. Die Räume sind funktionell eingerichtet und möbliert, ein Internet-Anschluss ist vorhanden. Pro Monat wird ein/eine KünstlerIn entsandt, zusätzlich wird ein kleines Stipendium ausbezahlt.

Wie die KUPF erfahren hat, soll das Künstleratelier nun allerdings mit März 2019 geschlossen werden. Der Mietvertrag wurde bereits gekündigt. Grund sind wohl die Streitigkeiten mit einem anderen Mieter: Im Jahr 2016 mietete sich laut einem Bericht der OÖN in der „Villa Stonborough“ eine Immobilienfirma ein. Laut einem Prüfung des Rechnungshofs enthält der Mietvertrag einige „problematische Regelungen“, mittlerweile läuft ein Gerichtsverfahren.

Der KUPF hat heute die Landeskulturdirektion über diese Problematik informiert und den Kulturdirektor Kräter gebeten, eine Lösung im Sinne der KünstlerInnen zu finden. Uns wurde zugesichert, dass sie sich bemühen wollen, eine Lösung für das Künstleratelier in der Villa Stonborough-Wittgenstein zu finden. Sollte dies nicht möglich sein, soll eine adäquate Ersatzlösung gefunden werden, um auch weiterhin einen Atelierbetrieb anbieten zu können.

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Kulturbudget OÖ: Tropfen auf dem heißen Stein

Um das Kulturland zu retten, hat die KUPF 2,4 Mio € mehr für zeitgenössische Kultur im kommenden Jahr gefordert. Geworden sind es nur 200.000 €, kritisiert die Kulturplattform OÖ. Geld wäre genug vorhanden, von der Erhöhung des Kulturbudgets um 5,5 Mio € profitieren aber fast ausschließlich die landeseigenen Kulturstätten.

Der vorliegende Voranschlag 2019 zeigt ein altbekanntes Bild: Der Großteil der Erhöhung geht wie in den letzten Jahren an die öffentliche Einrichtungen. Insbesondere die Bildungseinrichtungen Landesmusikschulen/Bruckner Universität erweisen sich mit einem Plus von 4,2 Mio € (+ 4,5 %) einmal mehr als Kostentreiber: Mit 96 Millionen geht erstmals die Hälfte des gesamten Kulturbudgets des Landes OÖ an die Bildungseinrichtungen. Auch Landestheater, Musiktheater (zusammen + 1,6 Mio € / + 4,0 %) und das Kulturquartier (+ 0,8 Mio € / + 8,1 %) wachsen weiterhin überdurchschnittlich. Nur die Landesausstellungen wurden wie erwartet niedriger budgetiert (- 1,5 Mio € / – 26,2%).

Neben diesen Millionenbeträgen muten die minimalen Erhöhungen für zeitgenössische Kultur lächerlich an: Oberösterreichs gesamte Musikszene darf sich über ein Plus von 20.000 € freuen. In die Literatur werden nächstes Jahr 30.000 € mehr investiert. Die darstellende Kunst bekommt 80.000 € mehr, die bildende Kunst geht dafür leer aus. Die hunderten regionalen Kulturinitiativen wiederum müssen sich mit mageren 100.000 € zufrieden geben. Zur Erinnerung: Im aktuellen Budget wurden letztes Jahr in diesen Bereichen in Summe 1,25 Mio € gekürzt.

„Nach dem dicken Minus im letzten Budget ist das kleine Plus ein netter Tropfen auf dem heißen Stein. Besser als eine weitere Kürzungswelle, aber großen Applaus darf sich die Politik hier nicht erwarten. Dem Bedarf der oberösterreichischen Bevölkerung nach Kunst und Kultur wird weiterhin nicht Rechnung getragen“, so KUPF OÖ Geschäftsführer Diesenreiter. Und weiter: „Der Voranschlag 2019 war eine Chance gewesen: Eine Gelegenheit, zu zeigen, dass man aus dem Protest des Vorjahres gelernt hat. Eine Chance, zu zeigen, dass man jene mehr als 17.000 Menschen ernst nimmt, die die Petition zur Rettung des Kulturlands OÖ unterzeichnet haben. Eine Chance, den Spielraum der guten Konjunktur zu nutzen und einen großen Schritt auf die Kulturszene zuzugehen. Diese Chance wurde leider großteils verpasst.“

Übertragsmittel auszahlen

Die KUPF begrüßt weiters den neuen Leiter der Förderabteilung des Landes, Johannes Nußbaumer. Und hofft, dass die monatelange Verschleppung der Förderanträge nun endlich ein Ende hat. Im Jahr 2017 wurden aufgrund schleppender Verwaltungsabläufe eine Summe von 486.276 € an zeitgenössischen Förderungen nicht ausbezahlt – trotz vieler Förderabsagen “aus budgetären Gründen”. Diese Gelder sollten als budgetäre Übertragsmittel heuer ausgeschüttet werden – was aber noch nicht geschah. „Mit diesem Geld hätte man die heurigen Kürzungen deutlich abdämpfen können. Hier droht eine weitere verpasste Chance, die man aber bis Jahresende noch nutzen kann„, schlägt Diesenreiter vor.

Linz ist fad – ohne junQ.at!

Seit Wochen findet man in der Linzer Innenstadt Plakate, Sticker und Postkarten mit der Aufschrift #linzistfad. Weil “in Linz tut sich ja nichts”! Aber was ist dran? Ist Linz wirklich so fad? Nein, sagen die Initiatoren der Kampagne, der Jugend- & Medienkulturverein junQ.at, natürlich ebenfalls Mitglied der KUPF OÖ.

#linzistfad – ohne initiative Kulturarbeit!

Gerade die Jugend wirft oft einen neidvollen Blick in Richtung des augenscheinlich viel hipperen, großen Wiens. Diese Sichtweise hat #linzistfad übernommen und in ein satirisches Gewand verpackt. Der zugehörige Account bzw. Hashtag erfreut sich auf Instagram schnell wachsender Beliebtheit. Die darauf zu sehenden Fotos sind bewusst gewählt und bringen, gepaart mit zynischen Bildunterschriften, die vermeintliche Einöde der Stahlstadt zum Ausdruck. Der Realität entspricht das aber nicht. Für unsere Größe hat die Stahlstadt nämlich ein enorm vielfältiges Kulturangebot zu bieten. Zahlreiche Kulturinitiativen bieten seit Jahren ein vielfältiges Programm in den verschiedensten Bereichen der Alternativkultur. Auf subversive Art darauf hinzuweisen, das ist das Ziel der #linzistfad-Kampagne.

Sie soll außerdem zeigen: Jede/r kann mitmachen! junQ.at ist ständig auf der Suche nach jungen Menschen, die voller Tatendrang stecken und entweder beim Onlinemagazin subtext erste Gehversuche im Journalismus unternehmen möchten, oder um unsere musikalische Veranstaltungsreihe Qlash mitzugestalten. Wie fad oder spannend es in Linz nun wirklich zugeht, dafür sind wir alle verantwortlich. junQ.at möchte weiterhin seinen Beitrag dazu leisten, damit Linz eine bunte Stadt bleibt.

Am 25. Oktober feiert junQ.at seinen 10. Geburtstag beim großen “Birthday Qlash” in der Stadtwerkstatt mit Bands wie Gospel Dating Service, Seraphim und Hoizkopf & die Genießer.

Die KUPF OÖ gratuliert junQ.at von ganzem Herzen zum zehnjährigen Jubiläum und wünscht sich noch viele weitere Partys, Fotos und Schabernack.

Mehr Details zur Kampagne und die Möglichkeit, euch bei junQ.at zu engagieren, findet ihr auf linzistfad.at

Frisch renoviertes, helles, ruhiges Büro mit hohen Räumen zu vermieten

Die Kulturplattform OÖ sucht MieterInnen für freiwerdende Büroflächen. Ideal geeignet für Kulturschaffende und Kreative, für Selbstständige wie Steuerberater oder als Praxis für Gesundheitsanbieter geeignet. Bei Büronutzung ist die Einrichtung von 3-4 Arbeitsplätzen möglich.

Eckdaten

  • 2 Räume: Büro 1 20,8m², Büro 2 20 m², in Summe gerundet 41 m²
  • Zentral, Südseitig, sonnig mit großen Fenstern, ruhig, hofseitig, getrennt begehbar über einen eigenen Zugang
  • Frisch renoviert: Geschliffene und versiegelte Parkett-Böden, geweißelte Wände und renovierte Türen
  • Heizung mit Fernwärme
  • Gemeinschaftliche Nutzung von Küche, WC, Vorraum (ca. 17,7 m²)
  • Optional ist ein 30m² großer Besprechungsraum mit Beamer, Flipcharts, etc mitnutzbar
  • An der Unteren Donaulände 10, 4020 Linz (gegenüber vom Lentos)
  • Ab sofort!

Monatliche Kosten

  • Miete inklusive BK: 442,37 € netto plus 20 % UST

Dazu kommen noch verbrauchsabhängige Kosten für Strom und Heizung (Anteilsrechnung). Auf Wunsch können auch die Untermietflächen mitgereinigt werden. Es besteht weiters die Möglichkeit, kostengünstig in eine gemeinsame Sachversicherung einzusteigen. Für 23 € brutto/netto kann schnelles, kabelgebundenes Internet (inklusive WLAN) mit einer 100/10mbit Geschwindigkeit genutzt werden. Weiters gibt es optional ein 14m² großes Archiv, das als Lagerraum genutzt werden kann.

Interessierte und Neugierige bitte alsbald unter kupf@kupf.at oder 0732-794288 melden!

Workshop Phänomen „Alternative rechtsextreme Medien“

Die KUPF OÖ hat im heurigen Jahr eine Studie zum Phänomen der rechtsextremen Medien in OÖ in Auftrag gegeben und publiziert. In Kooperation mit dem Renner Institut Oberösterreich findet ein Workshop statt, bei dem die wesentlichen Ergebnisse der Studie vorgestellt und Strategien im Umgang mit diesen Medien besprochen werden.

Zeit & Ort

Dienstag, 23. Oktober 2018
18.00 Uhr – 19.00 Uhr
Landesgeschäftsstelle der SPÖ OÖ, Linz

Zielgruppe

Abgeordnete, BürgermeisterInnen, VizebürgermeisterInnen, Fraktionsvorsitzende, Ortsparteivorsitzende, GemeinderätInnen und Mitglieder

Inhalt

  • Was ist unter „alternativen Medien“ zu verstehen?
  • Inwieweit spielen diese Medien eine Rolle in OÖ?
  • Welche Akteur*innen und Medien sind die „Big Player“?
  • Welche Kommunikationsstrategien lassen sich erkennen?
  • Welche Vernetzung zwischen diesen Medien ist zu erkennen?
  • Schlagwort „Kulturkampf“ im Kontext rechtsextremer Medienpolitik – was heißt das genau?
  • Sogenannte „alternative Medien“ sind in aller Munde. Doch wie sind sie zu erkennen? Und welche Gefahr stellen sie für unsere demokratische und pluralistische Gesellschaft dar?

Input

Mag.a Kathrin Quatember
Historikerin und Autorin der Studie „Paralleldimension – Alternativmedien in OÖ“ im Auftrag der Kupf OÖ

Teilnahmebeitrag

Kostenlos

Anmeldung & Information

Anmeldeschluss: Freitag, 19. Oktober 2018

Zur Anmeldung

Kostenloser Workshop: Crowdfunding für kreative Projekte

Crowdfunding wird jeden Tag beliebter. Es ist heute ein fester Bestandteil der Förderung und Finanzierung kreativer Ideen und innovativer Produkte. Dank der Schwarmfinanzierung im Internet werden nicht nur Design-Produkte verkauft, Kataloge und Musikaufnahmen veröffentlicht, sondern mittlerweile auch Theaterstücke und Ausstellungen realisiert. Die partizipative Finanzierung eignet sich zur Publikumsbindung, Erschließung neuer Zielgruppen und das Lancieren neuer Angebote – und sogar zur Rettung von kulturellem Erbe, wie die Kampagne des Filmarchivs Austria 2016 zeigte.

Sunita Maldonado (wemakeit) erklärt, wie Crowdfunding funktioniert und wie auch Sie eine erfolgreiche Kampagne planen und umsetzen: Von der Gestaltung Ihrer Projektseite über den Kommunikationsplan bis zu Social Media-Tricks und Tipps zum Community-Aufbau erhalten Sie einen Überblick über alle Schritte, die für eine erfolgreiche Projektrealisierung notwendig sind. Zudem gibt es die Gelegenheit, Ideen für die eigene Kampagne zu entwickeln und hierfür Feedback zu erhalten.

Zielgruppe

Vertreter/innen österreichischer Kultureinrichtungen, die tiefergehend in das Thema eintauchen wollen bzw. eine Kampagne mit einem höheren Finanzierungsziel planen.

Seminar-Leitung

Sunita Maldonado hat einen Hintergrund im Kulturmanagement und arbeitet als Coach mit der Innovationsmethode Design Thinking. Seit vier Jahren ist sie für wemakeit in der Projektberatung und Kommunikation tätig. Bei wemakeit wurden über 3.300 Projekte erfolgreich finanziert, viele darunter haben einen Kunst- und Kultur bzw. Design-Schwerpunkt.

Workshop-Gast

Neben Sunita laden wir eine/n Vertreter/in einer Crowdfunding-Kampagne ein, umfassend aus den Erfahrungen des eigenen Projekts zu berichten.

Termine in drei Städten

Salzburg:
Zeit: Montag, 19.11.2018, 13.00 – 16:00 Uhr
Ort: Salzburg Museum, Neue Residenz, Mozartplatz 1, 5010 Salzburg
Gottfried-Salzmann-Saal (3. Stock)
Anmeldung: Teilnahme kostenlos, Anmeldung bis 12.11.

Wien:
Zeit: Mittwoch, 21.11.2018, 13.00 – 16:00 Uhr
Ort: Volksoper Wien, Währinger Straße 78, 1090 Wien (im Foyer)
Anmeldung: Teilnahme kostenlos, Anmeldung bis 14.11.

Graz:
Zeit: Dienstag, 27.11.2018, 13.00 – 16:00 Uhr
Ort: Universalmuseum Joanneum, Mariahilferstraße 2, 8020 Graz
Direktion, Sitzungszimmer (1. Stock)
Anmeldung: Teilnahme kostenlos, Anmeldung bis 20.11.

Informationen: unter kultur@fundraising.at

Anmeldung

https://fundraising.at/

„Ist der Faschismus noch aufzuhalten?“

Der Mühlviertler Autor Richard Wall hat uns einen Gastbeitrag zugesandt, den wir an dieser Stelle veröffentlichen möchten:

„Man kann sagen, dass der Faschismus der alten Kunst zu lügen gewissermaßen eine neue Variante hinzugefügt hat – die teuflischste Variante, die man sich denken kann – nämlich: das Wahrlügen.“

– Hannah Arendt, Zur Zeit

Es sei gar nicht so einfach, meinte ich, eine Nation, einen Kontinent so weit zu bringen, dass die Bevölkerung ihre Ideen von Freiheit und zivilisatorischem Umgang aufgibt. Ich habe mich, so wie viele andere, geirrt.

Faschismus entsteht in einer Demokratie nicht von heute auf Morgen. Man muss Versuchsballone starten, die folgenden Zweck erfüllen:

Menschen mit gezielten Aussagen an etwas zu gewöhnen, von dem sie im ersten Moment noch zurückschrecken. Zweitens die Mittel dieser Manipulation – eindimensionale Erklärungsmuster – zu verfeinern, zu variieren und quantitativ zu steigern.

Diese Wühlarbeit geschieht derzeit. Man muss schon ein Narr oder Dummkopf sein, um dies nicht zu erkennen.

Ein bevorzugtes Mittel des Faschismus ist die Manipulation von Wahlen. Jeder konnte sehen, wie dies beispielsweise bei der Wahl von Trump, beim Brexit- Referendum, und in der Türkei funktionierte.

Eine weitere Strategie ist das Ansprechen atavistischer Gefühle, die Schaffung von stammesähnlichen Identitäten, die Spaltung der Gesellschaft in sich gegenseitig ausschließende Gruppen und Gruppierungen.

Der Faschismus benötigt keine Mehrheit. Er erobert sich die Macht mit weniger als 50 Prozent der Wählerstimmen. Er versucht in der Folge mit allen möglichen Mitteln, Kontrolle über das politische Geschehen zu erlangen; und er betreibt Einschüchterung, um die Macht auszubauen und schließlich zu konsolidieren.

Es macht gar nichts aus, wenn die Mehrheit diese Vorgänge ablehnt, solange rund 30 bis 40 Prozent den Prozess fanatisch unterstützen. Selbstverständlich wird der Faschismus durch eine Wirtschaftsideologie begünstigt, die all dem nichts entgegensetzt: Der Neoliberalismus ist auf seiner Seite. Die Theoretiker und Professoren Friedrich August von Hajek und Milton Friedman haben die Grundlagen geliefert, Heerscharen von Schulen wie jene der „Chicago Boys“ haben erfolgreich eine Gegenbewegung zur Sozialen Marktwirtschaft eingeleitet. Und, wir erinnern uns: „Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen.“1

Die Strategen des Faschismus brauchen und gebrauchen eine Propagandamaschinerie, die so effektvoll ist, dass sie für seine Anhänger und Handlanger ein ganzes Universum von „alternativen Fakten“ schafft. Diese Indoktrinierung geht permanent und aggressiv gegen ungewünschte Realitäten und Tatsachen vor. Sind Lügen einmal in die Welt gesetzt, ist es nahezu unmöglich, das Gegenteil zu beweisen. Emotionen, nicht Fakten, schaffen die Realität.

Dies alles geht in Ungarn, in Polen, in Deutschland, in der Türkei, in den USA und hierzulande bereits vor sich, wird ausgetestet, hat Erfolg.

Sobald all dies funktioniert, haarsträubende Aussagen und Anschuldigungen zur Gewohnheit werden und mit dem Frühstück zum Alltag gehören, kommt der nächste Schritt: Moralische Grenzen werden unterminiert und zu Fall gebracht. Das Volk wird daran gewöhnt, extrem grausame Handlungen zu akzeptieren. Wie eine Meute von Bluthunden muss es auf den Geschmack gebracht werden. Es muss mit Schlagwörtern unter Begleitung einer ungezügelten Frechheit soweit gebracht werden, dass es nichts Widriges mehr daran findet, sich an Brutalitäten und Grausamkeiten zu begeilen. Und schließlich zu beteiligen.

Faschismus vollzieht dies, indem er Angst und Bedrohung aufbaut, Hass schürt, Sündenböcke aufzeigt, enthumanisiert, und zum Abschuss freigibt. Sobald dies erreicht wurde, kann nach und nach an der Schraube gedreht werden, vom Türen- und Fenstereinschlagen bis zur Auslöschung der Gegner. Die Hetzjagden in Chemnitz sind ein Vorgeschmack des Kommenden.

Auch dieser Schritt wurde und wird getestet. Hierzulande, in den USA, in den meisten Ländern Europas. Linke, „Gutmenschen“, Ausländer, Roma und Sinti sind die Zielgruppen, die Punzierten. Der rechtsextreme Innenminister Italiens, Matteo Salvini, führt dies nicht nur an den Flüchtlingen und Migranten vor, sondern er schlug auch vor, die Roma registrieren zu lassen; ist dies einmal geschehen, werden sich schon Bluthunde finden: Von anonymen Tätern sei diese und jener erschlagen, erstochen, erschossen worden – wird es dann heißen.

Und getestet wurde von Trump: Lasst sehen, wie meine Fans über Babys in Käfigen reagieren.

Die Bilder von Ertrunkenen, von Kleinkindern, die von ihren Eltern getrennt sich aus Verzweiflung ihre Seelen aus dem Leib schreien, sind Test-Bilder. Faschismus bediente und bedient sich der Bilder. Und er liebte und liebt Experimente.

Die Türkis-Blaue Regierung testet und experimentiert Tag für Tag. Wir erinnern uns: Wir werden uns noch wundern, was alles möglich sein wird.2

Der allgegenwärtige rechtsextreme Wahn – auch aus den verfänglichen Ablagerungen des Netzes – sind in den Parlamenten angekommen. Rechtsextreme Parteien werden weltweit bestärkt durch eine affirmative Parallelstruktur aus Verschwörungstheorien, Desinformationskampagnen und Hass-Postings. Sie provozieren, diskriminieren und mobilisieren.

Jeden Tag wird ein Schäuferl nachgelegt. Längst hat man sich hierzulande auf die sozialen und zivilisatorischen Errungenschaften der 2. Republik eingeschossen. Auf ihre sozialen Institutionen, aber auch auf die Menschenrechte und Werte wie respektvoller Umgang mit dem Nächsten, auch wenn diese oder dieser anders aussieht und anderer Meinung ist. Zu helfen, solidarisch oder karitativ zu wirken, wird denunziert, Begriffe wie „Gutmensch“ und „links-links“ wurden getestet, sind längst Schimpfwörter geworden. Heißt, unausgesprochen, der „Schlechtmensch“ ist en vogue.

Politiker vom rechten Rand wie Udo Landbauer, Innenminister Herbert Kickl und Vizekanzler H. C. Strache betrachten (noch) das Strafrecht als einzigen Maßstab für politische Verantwortung. Dass es auch eine moralische gibt, ist Schnee von gestern. Wenn nun auch Gesetze so geändert werden, dass eine faschistische respektive nationalsozialistische Gesinnung sowie Taten, die dieser folgen, nicht mehr sanktioniert werden können – Bestrebungen gibt es in ganz Europa – , ist es aus mit einer Politik, die als Grundlage für ihre Entscheidungen die Inhalte der Deklaration der Menschenrechte anerkennt.

Die Medien, nicht nur die sogenannten sozialen – ich erlaube mir seit Jahren, diese als asozial zu bezeichnen – ziehen mit. Gratiszeitungen, der Boulevard, jedoch nicht nur dieser3, forcieren ein manichäisches Weltbild, sind ein einziger Abgrund. Millionen von US-Amerikanern und Europäern werden tagtäglich indoktriniert, „lernen“, das Undenkbare zu denken.

Der Test geht weiter, die Resultate werden analysiert, die Methoden perfektioniert, die Botschaft geschärft und zugespitzt. Taten können folgen4.

Engerwitzdorf, September 2018


1 Max Horkheimer, Die Juden in Europa

2 Das Originalzitat – „Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist!“ – sagt einiges aus über den Sprachgebrauch des Autors; hat er etwa keine „Deutschklasse“ besucht? – Und der derzeitige Vizekanzler meinte in einer Rede vor dem Nationalfeiertag 2016, „mittelfristig“ sei ein „Bürgerkrieg nicht unwahrscheinlich“.

3 Die Indoktrinierung von Printmedien à la OÖN, die von sich behaupten, Qualitätszeitungen zu sein, sind nicht weniger problematisch. Mit dem Anspruch der Seriosität bereiteten sie mit dem ständigen Miesmachen des Sozialstaates und ihrer tragenden Säulen den Boden auf für die FPÖ und den Rechtsruck.

4 Beispielsweise in Chemnitz. Nach der entschieden zu verurteilenden Ermordung eines Deutschen durch Afghanen, die sich in Untersuchungshaft befinden, organisierten sich Rechtsradikale zu einer Hetzjagd auf „Ausländer“ und Personen mit dunklerer Hautfarbe; diese Ausschreitungen sind dokumentiert; dennoch behauptet der Chef des deutschen Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV), Hans-Georg Maaßen, es lägen keine Informationen vor, dass „Hetzjagden stattgefunden haben“. Ist der BfV auf einem Auge blind? Oder ist es ein Zufall, dass die rechtsextreme Terrorgruppe NSU unentdeckt morden konnte?

Bild: Monika Wall-Penz