Kultur machen oder managen?

Von
Andrea Mayer-Edoloeyi

McKinsey & Company ist die weltweit führende Topmanagement-Beratung*. Die tauchen überall dort auf, wo es in Unternehmen, der öffentlichen Verwaltung, ja der Kirchen, darum geht marktkompaktibler und effizenter zu werden. Einsparungen und damit Massenentlassungen oder Verlagerung von Produktionen an billigere Standorte sind die Folge. Perfekt durchgestylter Neoliberalismus eben.

Was hat das jetzt in Spotzs zu suchen? Ich möchte ein Gedankenexperiment wagen: Was wäre, wenn McKinsey kommt und die 09-GmbH und die freie Szene berät. Da fürchte ich, da würden die KulturarbeiterInnen, die engagierten AktivistInnen in den Vereinen, schlecht aussteigen. Was in der Kulturarbeit geschieht, ist nicht oder nur bedingt an Veranstaltungszahlen, Quoten, am Output zu messen. Die 09-GmH hat natürlich das X-fache an Geld, aber sie ist ja auch dafür da, Output zu produzieren – polemisch gesagt massen- und tourismuskompatible Eventformate garniert mit ein bisserl Kritik (aber immer im Rahmen! Ziel der Kritik kann wohl nicht 09 selbst sein). Oder sogar noch schlimmer: Es geht darum, den Standort Linz mittels Kulturhauptstadt zu attraktiveren, endlich Schluss zu machen mit diesen dauernden Störungen – egal ob es da um gesellschaftskritisch arbeitende KünstlerInnen und Initiativen geht oder um Obdachlose, die das saubere Strassenbild der Innenstadt stören.

Ja, Kulturinitiativen würden schlecht aussteigen, wenn sie sich neoliberalen Kriterien unterwerfen müssten. Vermutlich gar nicht auf der Ebene des Geldes (denn eine Eintrittskarte in der KAPU ist weitaus weniger subventioniert als eine Eintrittskarte im Landestheater), sondern auf der Ebene der Formen und Inhalte der Kunst und Kultur. In Kulturinitiativen wird etwas getan, das sogar nicht en vogue ist: Es geht um demokratische Beteiligung, es geht darum, dass hier Kultur nicht „gemanagt“ wird, sondern Kultur gemacht wird, die aus dem persönlichen Antrieb der Beteiligten entsteht, die sich schon im Ideenfindungs- und Entwicklungsprozess einer demokratischen Auseinandersetzung stellen muss. Das ist manchmal mühsam, schwierig, aber letztlich doch immer wieder lustvoll, denn dabei wird etwas vorweggenommen, was heutzutage immer mehr aus dem Blick gerät: Alle können in vielfältiger Form an der Gestaltung der eigenen Lebenswelt, der Gesellschaft teilhaben. Nicht vermittelt über Parteipolitik oder sonstige VertreterInnen, sondern durchs direkte Einmischen und Gestalten. Dazu gehört unabdingbar Auseinandersetzung und auch Konflikt – im Sinne eines produktiven Austausches von Argumenten. Kommunikation wird da nicht simuliert, sondern real getan.

Naja, wo ich mich jetzt dann doch nicht mehr so sicher bin, ist, ob Kulturinitiativen wirklich so schlecht aussteigen würden. Denn eine vorschnelle Assoziation mit freier Kulturarbeit stimmt sicherlich nicht: Dass das alles unprofessionell und chaotisch wäre. Das Gegenteil ist der Fall: nicht im Mainstream mitzufließen, bedeutet einerseits, dass das Geld nie so gut fließt wie anderswo und damit andererseits gleichzeitig, dass es viel an Anstrengung, viel an Engagement mit langem Atem braucht, um überhaupt etwas machen zu können. Ohne jetzt wirklich in eine 09-GmbH. reinschauen zu können, traue ich mich aber doch zu behaupten, dass Freie Kulturarbeit im Sinne einer produktiven Organisation der Arbeit „effizienter“ arbeitet: Wäre es anders, gäbe es die freie Kulturszene gar nicht mehr angesichts der prekären Rahmenbedingungen. Aber es gibt sie diese Szene: lebendig und vielfältig, oftmals ob der unterschiedlichen Aktivitäten gar nicht so genau zu fassen – sie gibt`s, und die Spannung zwischen Notwendigkeiten und demokratisch-partizipativem Anspruch ist bleibend.

Die KUPF – Kulturplattform Oberösterreich schreibt im Rahmen ihrer aktuellen Kampagne „Kulturarbeit ist Arbeit“: „Kulturarbeit gibt zu denken, wer da wo Gesellschaft gestaltet. Kulturarbeit gestaltet Gesellschaft. Kulturarbeit ist Arbeit“. Damit ist auch klar, dass Arbeit nicht nur Erwerbsarbeit – funktionierendes Rädchen im neoliberalen Universum sein – ist, sondern dass der Begriff Arbeit, genau auch dieses Tätigsein im Sinne einer demokratisch-politischen Gestaltung der Gesellschaft meint, wie es Kulturinitiativen in der Stadt und im ländlichen Raum exemplarisch tun. Und irgendwann wird es dann McKinsey & Company nicht mehr geben.

erschienen in spotsZ 06/08

* http://www.mckinsey.com/

Alles was RECHT ist. Ein Survival-Training für KünstlerInnen.

Im Rahmen der Reihe „Alles was RECHT ist. Ein Survivaltraining für KünstlerInnen“ lädt die IG Bildende Kunst ExpertInnen zur „Sozialversicherung“ ein.
Mi, 18. Juni 2008, 19.00 Uhr, KünstlerInnenvereinigung MAERZ, Linz

KünstlerInnen gelten als Neue Selbständige, unterliegen der Pflichtversicherung bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) und haben die Möglichkeit aus dem Künstlersozialversicherungsfonds (KSVF) einen Zuschuss zu ihren Versicherungsbeiträgen zu beziehen.

2008 hat sich Einiges verändert: Zum einem ist die Selbständigenvorsorge Pflicht – die Beiträge werden von der SVA eingehoben, die Vorsorgekasse muss jedoch selbst gewählt werden. Zum anderen ist seit April die Novelle des KSVF-Gesetzes in Kraft. Eine Abschaffung der künstlerischen Mindestseinkommensgrenze als Zuschussvoraussetzung ist nicht erfolgt, aber wer wider Erwarten die vorgegebenen Einkommensgrenzen nicht erreicht, muss bezogene Zuschüsse vielleicht doch nicht zurückbezahlen. Eine Reihe an Ausnahmeregelungen erlaubt dem KSVF unter bestimmten Umständen auf eine Rückforderung zu verzichten. Darüber hinaus sieht die Novelle eine neue Einteilung der Kurien vor, der Zuschuss kann auch für Kranken- und Unfallversicherung verwendet werden, die obere Einkommensgrenze wird jährlich valorisiert, …etc.

Die IG BILDENDE KUNST lädt ExpertInnen ein, die die Versicherungssituation und Besonderheiten für KünstlerInnen unter spezieller Berücksichtigung der jüngsten Änderungen erklären. Anschließend gibt es die Möglichkeit, individuelle Fragen zu stellen und Auskünfte einzuholen.

Mi 18. Juni 2008, 19.30 Uhr
KünstlerInnenvereinigung MAERZ
4020 Linz, Eisenbahngasse 20
Tel.: 0732/771786, galerie@maerz.at
http://www.maerz.at

Gäste:
Petra Oswald (Künstlersozialversicherungsfonds),
Bettina Wachermayr (Künstlersozialversicherungsfonds),
Martin Berger (SVA, Landesstelle Oberösterreich)
Moderation: Daniela Koweindl (IG BILDENDE KUNST)

Eine Veranstaltung in Kooperation von IG BILDENDE KUNST, Künstlervereinigung MAERZ, AbsolventInnenforum der Kunstuniversität Linz und der Kunstuniversität Linz.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe „Alles was RECHT ist. Ein Survivaltraining für KünstlerInnen“ statt.

Information zur Veranstaltungsreihe

== Alles was RECHT ist
== Ein Survival-Training für KünstlerInnen

In der IG BILDENDE KUNST hat 2002 eine Veranstaltungsreihe mit dem
Titel „Alles was RECHT ist. Ein Survival-Training für KünstlerInnen“ gestartet – eine Serie, die sich an KünstlerInnen richtet und insbesondere um Fragen zu zeitgenössischen Arbeitsbedingungen kreist. ExpertInnen geben Auskunft über rechtliche Möglichkeiten und praktische Tipps zum alltäglichen wirtschaftlichen Überleben von Kunstschaffenden. Die Aufbereitung und Vermittlung der verschiedenen Themen findet mittels kurzer moderierter Podiumsdiskussion oder Vortrag mit jeweils anschließender Publikumsdiskussion statt. Praktisch verwertbarer Informationsgehalt für KünstlerInnen steht dabei im Vordergrund. Die gesammelten Informationen werden anschließend auf der Website der IG BILDENDE KUNST veröffentlicht.

Zu folgenden Themen fanden bisher Veranstaltungen statt: Sozialversicherung, Arbeitsverhältnis Künstlerin – Galerie, Subventionsansuchen und Projektförderung, Artotheken, Einkommens- und Umsatzsteuer, Pressearbeit, Urheberrechte (in der Fotografie), Kunst im öffentlichen Raum, Aufenthalt und Beschäftigung, Kunstbuch und Katalog.

Rückfragen: Daniela Koweindl
===================
IG BILDENDE KUNST
Gumpendorfer Straße 10-12
A-1060 Wien
Öffnungszeiten: Di – Fr 13-18 Uhr
Tel +43 (0)1 524 09 09
office@igbildendekunst.at
http://www.igbildendekunst.at

Ausschreibung NÖ Kulturpreis für Volkskultur und Kulturinitiativen 2008

Auch heuer lädt die Kulturvernetzung NÖ in Kooperation mit der Volkskultur NÖ alle Kulturinitiativen und kulturell aktiven Personen in NÖ ein, sich an der Ausschreibung zu beteiligen und ihre Bewerbungen einzusenden.
Einreichfrist: 18. Juli 2008

erstens:
Der Niederösterreichische Kulturpreis für Volkskultur und Kulturinitiativen dient der Anerkennung besonderer Verdienste und Leistungen im Bereich der kulturellen Praxis im soziokulturellen Handeln in den Feldern Volkskultur und Kulturinitiativen/kulturelle Regionalisierung.

zweitens:
Der Niederösterreichische Kulturpreis für Volkskultur und Kulturinitiativen kann an Einzelpersonen, an Personengemeinschaften oder an Institutionen vergeben werden, die ihren Sitz bzw. Wohnsitz in Niederösterreich haben oder deren Schaffen der Bekräftigung der kulturellen Eigenständigkeit des Landes Niederösterreich dient.

drittens:
Der Niederösterreichische Kulturpreis für Volkskultur und Kulturinitiativen ist mit insgesamt € 19.000,– dotiert und wird in Form eines Würdigungspreises im Betrag von € 11.000,– und zweier Anerkennungspreise zu jeweils € 4.000,– in den Sparten Volkskultur und Kulturinitiativen vergeben.

viertens:
Die Vergabe des Niederösterreichischen Kulturpreises für Volkskultur und Kulturinitiativen wird von einer Jury empfohlen. Der Jury sollen fünf Personen angehören. Die Bestellung der Jury erfolgt über Vorschlag bzw. Nominierung durch je eine(n) Vertreter(in) der Volkskultur Niederösterreich, der Kulturvernetzung Niederösterreich, der Kulturabteilung des Landes Niederösterreich und des/der Sponsors(en) des Preises. Die Einreichung für den Niederösterreichischen Kulturpreis für Volkskultur und Kulturinitiativen erfolgt im Wege der Bewerbung oder durch Vorschlag der Mitglieder der Jury.

fünftens:
Die Bewerbung für den Niederösterreichischen Kulturpreis für Volkskultur und Kulturinitiativen erfolgt durch schriftliche Darstellung der auszuzeichnenden Leistungen und Projekte bzw. des auszuzeichnenden Wirkens. Die schriftliche Darstellung ist durch entsprechende Materialien in Form von Publikationen, Tonträgern, Filmen, Datenträgern, Plakaten, Prospekten, Pressemappen u. ä. zu dokumentieren.

Einreichort:
Volkskultur Niederösterreich GmbH, 3452 Atzenbrugg, Schlossplatz 1, Fax: 02275 4660 27, e-mail: buero@volkskulturnoe.at, oder Kulturvernetzung Niederösterreich, 2130 Mistelbach, Wiedenstraße 2, Fax: 02572 20250 25, e-mail: weinviertel@kulturvernetzung.at

Die Einreichfrist endet am 18. Juli 2008 durch persönliche Abgabe (bitte um Terminvereinbarung unter 02275 4660 bzw. 02572 20250) oder auf dem Postweg (Datum des Poststempels).

sechstens:
In den einzelnen Sparten ist dabei auf folgende Schwerpunkte zu achten:

a) Volkskultur:
Kulturarbeit im Bereich der Volkskultur soll von einem offenen, zeitgemäßen und innovativen Umgang mit volkskulturellen Darstellungsformen oder Volkskunst gekennzeichnet sein und überregional und längerfristig wirken.

b) Kulturinitiativen und kulturelle Regionalisierung:
Kulturarbeit im Bereich der Kulturinitiativen und der kulturellen Regionalisierung soll der Vermittlung von Kunst und kulturellen Angeboten und Leistungen in den Regionen des Landes Niederösterreich dienen.

siebtens:
Der Niederösterreichische Kulturpreis für Volkskultur und Kulturinitiativen wird im Rahmen der Überreichung der Kulturpreise des Landes Niederösterreich übergeben.

Der Niederösterreichische Kulturpreis für Volkskultur und Kulturinitiativen des Jahres 2008 wird gestiftet vom Land Niederösterreich, der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien und der HYPO Investmentbank AG.

Barrierefreier Seminarraum für Vereine und Organisationen

Barrierefreier Seminarraum (45 qm) mit Sanitärraum (5 qm), Küchenzeile und Sonnenterrasse (12 qm) in der Nähe von Schärding.

Der Seminarraum soll dazu dienen ganzheitliche Denk- und Lebensweisen zu fördern und zum regionalen Angebot an kulturellen, gesellschaftspolitischen und spirituellen Veranstaltungen beitragen.

Wenn Sie Interesse haben Seminare anzubieten oder eine Organisation sind mit entsprechenden Zielen auf der Suche nach einem Raum für Sitzungen, Tagungen, Klausuren, etc., oder einen Behandlungsraum zur stundenweise Miete suchen, richten Sie Ihre Anfragen bitte an:

ALLESEINS
Renate Dobler
Hummelweg 3
A-4786 Brunnenthal
Tel. (0043-) 07712-35638
E-Mail: renate.dobler@alleseins.at

Für mehr Information und Fotos:
http://www.alleseins.at